Eröffnungsrede von Dr. Juliane Huber, Kunstverein Wilhelmshöhe, 2001

Auf den ersten Blick scheint sich recht schnell zu erschließen, was Gegenstand der Bilder von Myriam Resch ist: nämlich Gebäudefassaden. Doch welchen Ausschnitt sie jeweils in den Fokus nimmt, aus welcher Perspektive sie ihn zeigt und wie sie ihn sozusagen `malerisch aufarbeitet`- das ist nicht so einfach zu eruieren. Die Gebäude etwa sind nie vollständig im Bild; wir sehen nichts von der Umgebung oder wenn, dann indirekt: in Fenstern und anderen reflektierenden Flächen spiegeln sich der Himmel oder Baumkronen, deren Blattwerk mitunter auch als tiefdunkle Silhouette zwischen Haus und Betrachter geschaltet ist (GSW-Haus, 2001).

Nicht alle, aber viele ihrer Fassadenmotive hat Myriam Resch aus der sogenannten Froschperspektive in Augenschein genommen. Und hier sind es oft Details eines Fotos bzw. einer Zeichnung, die für das Bildprojekt nochmals vergrößert oder – um bei der Fotografie zu bleiben – herangezoomt werden. In dieser mehrfachen Verfremdung unserer gewohnten Perspektive treiben Fluchtlinien, Schatten und verselbständigte Teilflächen ein hochästhetisches Spiel mit der ursprünglichen Vorlage. Erwecken die kühnen Bildaussschnitte im großen Maßstab den Eindruck der Nähe zum Dargestellten, so belehrt uns die direkte Konfrontation mit dem Bild eines Besseren. Statt Illusionismus und Detailgenauigkeit zu finden, verlieren wir die Einzelheiten aus dem Auge, je näher wir dem Bild kommen. Die Fassaden sind also alles andere als abgebildet (abgemalt) im Verhältnis 1:1. Ihre Farben hat die Künstlerin ohnehin meistens intensiviert oder sogar verändert. Das und die häufigen Einspiegelungen in die Baukörper bringen die Gemälde schon eher in die Nähe der Farbfeldmalerei – obwohl sie doch so realitätshaltig sind.

Etwas paradox könnte man formulieren, daß sich nichts besser eignet für abstrakte Kompositionen als die Wirklichkeit. Was die Künstlerin hier vollführt, erinnertr deshalb an das Statement des amerikanischen Malers Alex Katz, der meinte:“ Das Motiv ist nur der Amboss, an dem ich arbeite, und nicht das Schwert, das ich schmiede.“

Myriam Resch erhält den diesjährigen Förderkatalog des Kunstvereins für Nachwuchskünstler.


 
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