"streifen"

Über die Wandmalerei der Ausstellung "ortstermin1"

Im Raum der Ausstellung „ortstermin 1“ kann man vieles tun: an Bauzäunen entlangstreifen oder an Baustellenabsperrungen; mit dem Auto an Schallschutzwällen vorbeirasen; sich als Ego-Shooter in einem Labyrinth von virtuellen Gängen verirren oder sich mit einem bonbonfarbenen Todesstreifen konfrontiert sehen; ein überdimensioniertes Leporello ansehen oder einfach nur an Schoko-Erdbeer-Vanille-Kirsch denken.

Die Wandmalerei „streifen“ erstreckt sich über alle drei Wände des Ladenlokals auf der Corneliusstrasse in Düsseldorf. Ein farbig gestreiftes Band durchzieht wie eine Zieharmonika den Raum und hält den Betrachter gefangen. Es ist ein Hervor- und Zurücktreten von Kanten, ein Spiel mit Perspektiven und Fluchtpunkten.
Gemalte Ecken und Vorsprünge scheinen sich beim Hin-und Hergehen im Raum optisch mitzubewegen, hervorzutreten. Die Malerei erzeugt eine Illusion von Körperhaftigkeit, die jedoch nicht greifbar ist, denn versucht man eine hervorspringende Außenkante dieses Bandes zu berühren, so findet man sich paradoxerweise in der Ecke des Raumes wieder. Hervortetende Körper sind in Wirklichkeit zurückweichende Raumecken. Die Illusion von Räumlichkeit wird verstärkt durch gemalte Schlag-schatten, die von einer unsichtbaren Lichtquelle zu kommen scheinen.
Der ganze Raum befindet sich in Bewegung solange es der Betrachter auch ist. Ein leichtes Unwohlsein oder Schwindelgefühl kann sich einstellen. Selbst langsam vorbeifahrende Autofahrer können bei aufmerksamer Betrachtung in den Genuss des trompe l´oeils kommen.    


Myriam Resch


 
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