"ohne Titel"

Zur Wandmalerei im Kunstraum Düsseldorf


Die Wandmalerei im Kunstraum Düsseldorf anlässlich der Förderpreis-Ausstellung  sollte sich aufgrund der Raumsituation (es gibt nur eine große massive Wand) grundsätzlich von den Wandarbeiten bei "John Doe" unterscheiden. Ich verzichtete bewusst auf einen raumgreifenden optischen Effekt und benutzte die Wand wie ein überdimensioniertes Blatt weißes Papier. Der Pinselduktus und die „ausgefransten“ Ränder  der 300 x 600 cm grossen Wandarbeit imitieren den Filzstiftstrich, der für meine Skizzen auf Papier charakteristisch ist. Die Wandmalerei sollte wie ein Abziehbild auf der Wand „kleben“ und jede Tiefenwirkung negieren.
Auch das Motiv, eine dunkle Häusersilhouette, die sich vor einem leuchtenden Sonnenuntergang abzeichnet, verharrt in der Fläche. Der Ausblick auf einen fernen Horizont bleibt verwehrt. Es gibt keine Flucht in die Tiefe. Die Architektur erscheint isoliert von ihrer Umwelt. Das Fehlen von Fundament und Boden des Hauses erschwert die Verortung des Gebäudes. Es könnte überall stehen – als Bauruine auf einem verlassenen Grundstück, als anonymes Bürogebäude am Stadtrand, als Hotel am Strand, als Hochhaus auf einem Hügel......
Lediglich eine zeitliche Einordnung ist gegeben. Es ist der Moment der Dämmerung, des Untergangs der Sonne, der den Himmel in dramatische Farben taucht und die Architektur wie einen Scherenschnitt aussehen lässt.


Myriam Resch


 
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