Künstler in Düsseldorf: Myriam Resch

Jalousien und Blattwerk



Im Atelier auf dem Rheinmetall-Gelände hat Myriam Resch zwei Bilder nebeneinander stehen; zu sehen sind Hochhäuser, umgeben (und so verstanden isoliert) von blauem Himmel, dabei leicht aus
der Mitte gerückt. Gebäude, welche Myriam Resch in Berlin oder eben hier, in Düsseldorf, gesehen hat. Die Fassaden ragen, in einigem Abstand, nach oben; konstituierend wirken die Fensteröffnungen und Balkone als regelmäßiges Raster in strenger Rechtwinkligkeit, welche allenfalls – systematisch – gebrochen wird durch geklappte Öffnungen. Ein Vorsprung, der, perspektivisch verschoben, schräg in den Himmel ragt, schließt eines dieser Gebäude ab.
Die Häuser besitzen für mich schon portraithafte Züge, sagt Myriam Resch. Aus dem Stakkato des Immergleichen, funktional Ableitbaren formiert sich, malerisch vorgetragen, Individuelles, das es tatsächlich gibt und vielleicht mit einer Geschichte verbunden ist. Bei anderen Bildern spiegeln sich Blätter in verschwimmender Bewegtheit auf den geschlossenen, von der Sonne grell beschienenen Jalousien. Oder die Fenster treten wie konturierte Farbtafeln auf, mit einem Mal ein gegenstandsfreies, konstruktives Gemälde. Vereinzelt liegt dem die Montage von Versatzstücken zugrunde. Ein neueres Gemälde zeigt einen flachen Bungalow ganz aus Fensterscheiben, kubisch gefügt, das Gebäude bewahrt etwas Schematisches in einer kühlen Klassizität. Der Himmel geradezu in der Anmutung romantischer Malerei, vorm Einbruch der Dunkelheit, Blätter und Bäume als Silhouette.
Die Architektur Mies van der Rohes interessiere sie, sagt Myriam Resch, ebenso die von Walter Gropius und von Le Corbusier. Bauten der sechziger Jahre. Im Atelier liegt ein Buch von Julian Opie, der, einer heutigen Künstlergeneration zugehörig, wiederum mit Architekturzitaten und einem Purismus in der Architektur agiert, mit weißen Fassaden und Farbkontrasten, welche die Konstruktion weiter klären. Neben den Gemälden entstehen kleinere, meist winzige Bilder auf Polysterolflächen, welche plan an der Wand befestigt sind. Mit Filzschreiber gemalt, finden sich nun grell leuchtende Farben. Die Tafeln bewahren etwas Skizzenhaftes, sie zeigen Deatails von Architekturen, wie mit dem Zoom nähergeholt. Sie verdeutlichen weiter, daß es bei diesen Arbeiten um Wahrehmung geht, um die Strukturierung des Sehens und um eine Klärung der eigenen städtischen Umgebung.
Assoziationen, Vorstellungen mögen sich beim Herausgreifen einzelner Fassadenteile, den leeren Fensteröffnungen, einstellen; Überlegungen spinnen sich weiter, was im Inneren des Gebäudes passieren mag.
Im Gespräch erwähnt Myriam Resch die Bilder von Alex Katz, die schablonenhaft die Gesellschaft schildern, dieser etwas Künstliches in einerseits leuchtenden Farben, andererseits matt pastellener Tönung der Hautpartien verleihen.
Myriam Resch wurde 1973 in Karlsruhe geboren, sie studierte zunächst Bildhauerei bei Irmin Kamp und erstellte in dieser Zeit plastische Architekturfragmente ganz in weiß. Bei Jan Dibbets wurde sie mit Bildern, die danach einsetzten, 1998 Meisterschülerin – ihr Thema lag da bereits fest, im Verzicht auf den Menschen, aber von diesem handelnd. 2001 sind erstmals Wandmalereien entstanden, in einer Ausstellung bei John Doe. Über Eck gemalt, stülpt sich ein Kubus geradezu in den Raum, und bei der anderen Wandmalerei kippen die Flächen wie Fensterscheiben nach innen, nehmen so den Bezug zum Außenraum auf. Licht und Schatten werden weiter eingesetzt und wirken zugleich in Richtung auf eine stärkere Abstraktion: nurmehr Formulierungen, welche die Konstruktion unserer urbanen Umwelt darlegen.



Thomas Hirsch - biograph (Dezember 2002)


 
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